Für Fachkreise
Bandscheibenvorfall in der Patientenhistorie

Zusammenfassung für die ärztliche Praxis:
- Indikationsgrenzen: Die Verordnung der digitalen Gesundheitsanwendung ViViRA bei Patienten mit der Hauptdiagnose eines akuten lumbalen Bandscheibenschaden mit Radikulopathie (ICD-10: M51.1) oder mit einer Myelopathie (ICD-10: M51.0) ist gemäß dem BfArM-DiGA-Verzeichnis kontraindiziert.
- Indikationsgerechter Einsatzbereich: Zeigt sich der Patient im Verlauf nach einem Bandscheibenvorfall klinisch unauffällig bezüglich akuter radikulärer Ausfälle oder Radikulopathien und leidet sekundär an einem unspezifischen Rückenschmerz, ist der Einsatz auf Basis der zugelassenen Diagnosen (z. B. ICD-10: M54.5 Kreuzschmerz oder ICD-10: M54.4 Lumboischialgie) medizinisch indiziert.
- Indikationsstellung: Die klinische Einschätzung, ob die Akutphase nach einem Bandscheibenvorfall vollständig abgeklungen ist und der Patient sich übungsstabil für eine eigenständige digitale Bewegungstherapie zeigt, obliegt Ihrem ärztlichen Ermessen.
Klinischer Hintergrund: Morphologie vs. aktuelle Symptomatik
Ein relevanter Teil der Bevölkerung weist in der bildgebenden Diagnostik (z.B. MRT) Bandscheibenprotrusionen oder -prolapse auf, die jedoch nicht zwangsläufig mit der aktuellen Schmerzsymptomatik korrelieren. Während in der akuten Phase eines Bandscheibenvorfalls mit radikulärer Symptomatik (Wurzelkompression, neurologische Ausfälle etc.) passive Maßnahmen, spezifische Schmerztherapie und streng indizierte Physiotherapie im Vordergrund stehen, ändert sich der Ansatz im Krankheitsverlauf. Bei Übergang in subakute oder chronische Stadien fordert die Leitlinie „Versorgung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik“ die rasche Rückkehr zu aktiver eigenständiger Bewegung.1
ViViRA ist die am häufigsten genutzte DiGA in der digitalen Regelversorgung muskuloskelettaler Beschwerden. Die Anwendung fokussiert sich auf die evidenzbasierte digitale Bewegungstherapie für den Rücken - ist jedoch strikt abzugrenzen von der Akutbehandlung bei Nervenwurzelkompressionen.
Regresssichere Verordnungspraxis & ICD-10 Codierung
Für den sicheren Einsatz von ViViRA bei Patienten mit einem Bandscheibenvorfall in der Anamnese ist die exakte ICD-10-Codierung auf der Verordnung entscheidend. Nur so stellen Sie sicher, dass die Kriterien des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfüllt sind und Regressprüfungen der Krankenkassen vermieden werden.
Nutzen Sie folgende Tabelle zur Differenzierung im Praxisalltag:
|
Klinische Situation des Patienten |
ICD-10-Codierung |
Verordnungsfähigkeit von ViViRA |
|
Akuter Bandscheibenvorfall mit klinischer Ausprägung (Radikulopathie oder Myelopathie) |
M51.1 / M51.0 |
Kontraindiziert |
|
Z. n. Bandscheibenvorfall: Aktuell führend unspezifischer LWS-Schmerz |
z.B. M54.5 (Kreuzschmerz) |
Indiziert & Erstattungsfähig |
|
LWS-Schmerz/ Lumboischialgie |
M54.4 (Lumbalgie mit Ischialgie) |
Indiziert & Erstattungsfähig |
|
Osteochondrose der Wirbelsäule |
M42.9 / M42.1/ M42.0 |
Indiziert & Erstattungsfähig |
Fazit für Ihre Praxis
Prüfen Sie vor der Verordnung von ViViRA bei Patienten mit bekannter Bandscheibenproblematik den aktuellen neurologischen Status. Eine Verordnung von ViViRA ist möglich, sobald die Akutphase nach einem Bandscheibenvorfall vollständig abgeklungen ist und sich der Patient übungsstabil für eine eigenständige digitale Bewegungstherapie zeigt. Sind absolute „Red Flags“ (z. B. Paresen, Cauda-Equina-Syndrom etc.) sowie akute radikuläre Reiz- oder Ausfallerscheinungen (M51.1) oder Myelopathien (M51.0) klinisch ausgeschlossen, ist der Einsatz von ViViRA zulässig.
Leidet der Patient nun im weiteren Verlauf sekundär an einem unspezifischen, funktionellen LWS-Schmerz, ist ViViRA auf Basis der zugelassenen Diagnosen (z. B. M54.5 Kreuzschmerz oder M54.4 Lumboischialgie) medizinisch indiziert und stellt eine leitlinienkonforme Alternative oder Ergänzung zur Physiotherapie dar.
Dokumentieren Sie die Übungsstabilität und den Ausschluss akuter radikulärer Symptome kurz in der Patientenakte. So ist Ihre Indikationsstellung für den Patienten schriftlich hinterlegt.
Sie finden hier eine Übersicht über die genauen Indikationen und Kontraindikationen von ViViRA als digitale Bewegungstherapie.
Quellenverzeichnis
- S2k-Leitlinie Konservative, operative und rehabilitative Versorgung bei Bandscheiben- vorfällen mit radikulärer Symptomatik: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-057