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Unspezifische Rückenschmerzen:  4 effektive Übungen gegen den Schmerz

Geschrieben von Vivira Clinical Team | Aug 4, 2026, 2:48:16 PM
 Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Behandlung und Diagnosefindung. Sollten Begleitsymptome wie Taubheitsgefühle, Lähmungserscheinungen oder unerträgliche, ausstrahlende Schmerzen auftreten, ist eine sofortige ärztliche Abklärung zwingend erforderlich.
 

Ein plötzliches Ziehen im Lendenbereich oder ein dumpfer Schmerz beim Aufstehen, Rückenschmerzen treffen uns meist unvorhersehbar und schränken den Alltag massiv ein. In solchen Momenten schießen einem häufig folgende Fragen durch den Kopf: “Habe ich mich gerade verletzt? Verschleißt meine Wirbelsäule? Bedeutet der Schmerz, dass ich mich jetzt bloß nicht mehr bewegen sollte?”

Wenn nach der ärztlichen Untersuchung die Diagnose „unspezifischer Rückenschmerz“ fällt, lässt das viele Betroffene ratlos zurück. Das Wort klingt unbefriedigend und so, als wüsste niemand, was eigentlich fehlt. Diese Ungewissheit gepaart mit dem Gefühl, mit dem eigenen Körper stimme etwas nicht, kann eine regelrechte Angst auslösen. Es ist eine völlig verständliche Reaktion, dass du dich in einem solchen Moment verletzlich fühlst und instinktiv jede Bewegung meiden möchtest.

Unser Ziel ist es, dir zu erklären, was ein „unspezifischer Rückenschmerz“ ist und dir effektive Übungen bei unspezifischen Rückenschmerzen zu zeigen, mit denen du deine Beschwerden lindern kannst.

Rückenschmerzen in Deutschland: Ein Blick auf die Zahlen

Auch wenn sich der Schmerz isolierend anfühlt, bist du mit diesen Sorgen nicht allein. Rückenschmerzen gehören weltweit zu den häufigsten Volkskrankheiten1. Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass über 61 % der Erwachsenen in Deutschland innerhalb eines Jahres davon betroffen sind2.

Weil diese Diagnose so viele Menschen betrifft, gibt es eine beruhigende Nachricht: Das Krankheitsbild ist sehr gut verstanden. Die Medizin weiß heute sehr genau, wie dieser Schmerzkreislauf funktioniert und wie man ihn erfolgreich unterbricht3,4.

Definition: Was sind “unspezifische Rückenschmerzen”?

Bei Rückenschmerzen ist der Begriff „unspezifisch“ vor allem eine große Entwarnung. Er bedeutet, dass keine gefährliche strukturelle Schädigung vorliegt, wie etwa ein Knochenbruch oder ein akuter Bandscheibenvorfall, der sofort behandelt werden muss. Tatsächlich fallen rund 85 % aller Fälle von Kreuzschmerzen in diese Kategorie5.

Schmerz bedeutet nicht, dass ein dauerhafter struktureller Schaden vorliegt: Der Schmerz ist absolut real, aber er ist meist kein Zeichen für einen dauerhaften Schaden. Er ist das Ergebnis eines überreizten Alarmsystems deines Körpers, ausgelöst durch funktionelle Probleme wie muskuläre Verspannungen, Bewegungsmangel oder stressbedingte Überlastung.

Dein Rücken ist nicht verletzt oder instabil. Er braucht im Moment lediglich die richtige Unterstützung, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Die moderne Medizin zeigt heute sehr deutlich, wie du den Schmerz bei unspezifischen Rückenschmerzen effektiv, sicher und nachhaltig lindern kannst.

Leitlinien-Empfehlung: Die besten Maßnahmen bei unspezifischen Rückenschmerzen

Die medizinischen Fachgesellschaften haben auf Basis jahrelanger Forschung klare Leitlinien entwickelt. Sie geben dir Transparenz und Sicherheit, welche Schritte bei unspezifischen Rückenschmerzen nachweislich helfen.

Bewegung statt Bettruhe: Warum Inaktivität dem Rücken schadet

Früher lautete der Rat bei Rückenschmerzen: „Leg dich ins Bett und schone dich.“ Heute weiß man, dass genau das Gegenteil richtig ist. Bewegung ist deine wichtigste Medizin. Lange Bettruhe und Inaktivität schwächen die stützende Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule und verlängern die Schmerzdauer6.

Unser Rücken ist für Aktivität gebaut. Vor allem durch zyklische Bewegungen, wie das ganz normale Gehen. Beim Gehen wird die stützende Tiefenmuskulatur deines Rückens im selben Moment sanft mobilisiert und neu koordiniert. Dieses harmonische Zusammenspiel baut Schritt für Schritt stabile Muskeln auf, die deine Wirbelsäule bei allen alltäglichen Belastungen schützen. Versuche daher, deine gewohnten Aktivitäten so gut es geht fortzusetzen7. Schon kleine Spaziergänge im Alltag signalisieren deinem Nervensystem: „Alles ist gut, Bewegung ist sicher.“ Auch wenn der Spaziergang anfangs von leichten Schmerzen begleitet wird, mach weiter! Bewegung schadet dem Rücken nicht, sondern fördert die Heilung deiner unspezifischen Rückenschmerzen

Akute Hilfe bei unspezifischen Rückenschmerzen: Schmerzlinderung, Wärme und Entspannung

Da Aktivität so entscheidend für deine Heilung ist, empfiehlt die Leitlinie begleitende Maßnahmen, die dir den Weg zurück zu einem bewegten Alltag ebnen5:

  • Medikamentöse Schmerzlinderung als Brücke: Wenn der Schmerz dich komplett blockiert, kann der kurzfristige Einsatz von Schmerzmitteln, nach Absprache mit deinem Arzt/in oder Apotheker/in, sinnvoll sein. Das Ziel ist hierbei ausdrücklich nicht, den Schmerz zu betäuben, um sich auf dem Sofa zu schonen, sondern dir die nötige Bewegung überhaupt erst wieder zu ermöglichen.
  • Wärme zur Entspannung: Eine Wärmflasche, ein warmes Bad oder ein Wärmepflaster fördern die Durchblutung und helfen, die verkrampfte Muskulatur sanft zu lockern. Nutze dieses wohltuende Zeitfenster der Entspannung optimal aus, um direkt im Anschluss leichte, mobilisierende Übungen durchzuführen.
  • Progressive Muskelrelaxation (PMR): Schmerz und Stress führen im Körper oft zu unbewusster Muskelanspannung. Die Leitlinie empfiehlt hier das wissenschaftlich fundierte Entspannungsverfahren der progressiven Muskelentspannung, wenn die Schmerzen etwas länger anhalten oder eine hohe Stressbelastung vorliegt. Durch dieses gezielte An- und Entspannen der Muskulatur lassen sich Schmerzen und Verspannungen effektiv lindern. Vor allem bei hoher Stressbelastung hilft es dir, den Schmerzkreislauf aktiv zu durchbrechen.

Kraft, Mobilisation und Regelmäßigkeit: Das Fundament der Rückengesundheit

Sobald du wieder in Bewegung bist, empfehlen die Leitlinien, die Strukturen rund um die Wirbelsäule durch zielorientierte Übungen nachhaltig zu stabilisieren⁵. Ein solches strukturiertes Bewegungsprogramm verbessert deine Alltagsfunktion spürbar und lindert Schmerzen⁸. In der therapeutischen Praxis stützt sich dieser Erfolg auf drei wesentliche Säulen:

  • Kräftigung: Gezieltes Training der Rumpf-, Bauch- und tiefen Rückenmuskulatur. Dieses körpereigene „Muskelkorsett“ stabilisiert deine Wirbelsäule.
  • Mobilisation und Dehnung: Wiederherstellung der vollen Gelenkbeweglichkeit und das Lösen verkürzter Muskelketten. Ein wichtiges Beispiel ist der Hüftbeuger: Ist er durch vieles Sitzen verkürzt, zieht er die Lendenwirbelsäule ins Hohlkreuz. Gezieltes Dehnen nimmt hier den Druck heraus.
  • Regelmäßigkeit: Kontinuität ist der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Der spürbare therapeutische Effekt stellt sich vor allem dann ein, wenn du die Übungen über mehrere Wochen hinweg regelmäßig durchführst⁸.

Trainingsstart im Wohnzimmer: 4 effektive Übungen bei unspezifischen Rückenschmerzen

Um dir den Einstieg so leicht wie möglich zu machen, haben wir vier sanfte Übungen bei unspezifischen Rückenschmerzen zusammengestellt, die alle in unserer ViViRA-Rücken-App zu finden sind. Sie lassen sich ohne Hilfsmittel auf einer weichen Matte oder Teppich durchführen und helfen dir dabei, die Angst vor der Bewegung Schritt für Schritt abzubauen und die Muskulatur gezielt wieder aufzubauen.

1. Katze-Kuh


  • Wiederholung: 10-mal je Richtung, fließend im Rhythmus deiner Atmung.
  • Ausgangsposition: Der Vierfüßlerstand.
  • So geht’s: Komm auf alle Viere. Platziere deine Hände direkt unter den Schultern und deine Knie unter den Hüften. Tipp: Falls du Schmerzen im Handgelenk hast, kannst du dieses entlasten, indem du dich auf die geballte Faust abstützt.
    • Die Kuh: Lass beim Einatmen den Bauch sanft Richtung Boden sinken, hebe das Brustbein, ziehe die Schulterblätter zum Becken runter und schaue leicht nach vorne. Währenddessen kippst du dein Becken, sodass das Steißbein nach oben zeigt (geführtes Hohlkreuz).
    • Die Katze: Werde beim Ausatmen ganz rund im Rücken, drücke dich aktiv vom Boden weg, der Kopf fällt runter und das Becken kippt nach hinten, ziehe das Kinn zur Brust.
  • Wirkung: Die Übung mobilisiert die gesamte Wirbelsäule auf eine sehr schonende Weise, fördert die Durchblutung der Rückenmuskulatur und löst sanft erste Blockaden.

2. Die Kindhaltung


  • Wiederholung: 4-6 Wiederholungen. Am Ende verbleibst du für 5 bis 10 tiefe Atemzüge entspannt in der Stellung des Kindes, für vertiefte Entspannung und Dehnung.
  • Ausgangsposition: Der Vierfüßlerstand.
  • So geht’s: Schiebe dein Gesäß aus dem Vierfüßlerstand nach hinten bis du auf deinen Fersen aufliegst (oder so nah heranreichst, wie es sich gut anfühlt). Lege deine Stirn entspannt auf dem Boden ab.
    • Tipp: Wenn der Bauch im Weg ist oder der untere Rücken spannt, öffne deine Knie einfach etwas weiter nach außen.
  • Wenn du wieder nach oben kommst in den Vierfüßlerstand, mach deinen Rücken so lang wie möglich und ziehe den Bauchnabel leicht rein.
  • Wirkung: Diese Übung gibt dem Lendenwirbelbereich eine tiefe, passive Dehnung und signalisiert deinem Nervensystem Entspannung und Sicherheit.

3. Die Brücke


  • Wiederholungen: 10-12 Mal
  • Ausgangsposition: Rückenlage.
  • So geht’s: Lege dich flach auf den Rücken, winkle die Beine an, stelle die Füße hüftbreit flach auf den Boden und nah an dein Gesäß (die Arme liegen entspannt neben deinem Körper). Drücke die Fersen fest in den Boden und hebe dein Becken langsam an, bis deine Oberschenkel und dein Oberkörper eine gerade Linie von den Knien bis zu den Schultern bilden. Halte die obere Position für ein paar Sekunden und senke das Becken anschließend kontrolliert wieder ab.
  • Wirkung: Diese Übung aktiviert und stärkt die Gesäßmuskulatur, die Rückseite der Oberschenkel, sowie die unteren Rückenmuskeln.

4. Knie zur Brust


  • Wiederholungen: 2-Mal pro Seite (4-Mal insgesamt), halte jeweils für 30 Sekunden.
  • Ausgangsposition: Rückenlage.
  • So geht’s: Bleibe in Rückenlage und strecke beide Beine lang auf dem Boden aus. Umfasse das rechte Knie mit deinen Händen und ziehe es so nah wie möglich an deinen Brustkorb heran. Versuche, das linke Bein dabei so gestreckt und flach wie möglich auf dem Boden liegenzulassen. Atme tief und ruhig in deinen Bauch. Halte die Dehnung für etwa 30 Sekunden und wechsele dann die Seite.
  • Wirkung: Diese Übung dehnt die großen Gesäß- und Hüftbeugemuskeln. Besonders der Hüftbeuger verkürzt sich durch langes Sitzen im Alltag sehr schnell und zieht dadurch spürbar an der Lendenwirbelsäule.

ViViRA: Deine digitale Rückentherapie per App auf Rezept

Diese vier Übungen sind ein idealer Einstieg, sie bilden jedoch nur einen kleinen Ausschnitt aus dem ganzheitlichen therapeutischen Programm unserer medizinischen App ViViRA. In der Praxis ist es im stressigen Alltag oft eine Herausforderung, eine konsequente Rückentherapie dauerhaft zu verankern. Zertifizierte Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) schließen diese Versorgungslücke mit einer zeitgemäßen, Lösung mit wissenschaftlich nachgewiesener Wirksamkeit. Als Medizinprodukt unterstützt dich ViViRA dabei, die Kontrolle über deine Rückengesundheit eigenständig zurückzugewinnen:

  • Wissenschaftlich belegte Wirksamkeit: Klinische Studien zeigen, dass das app-basierte Heimtrainingsprogramm von ViViRA die Schmerzintensität bereits nach 2 Wochen um 38 % senken kann9. [Weise et al., 2022].
  • Verbesserte Funktion: Nach einer vierwöchigen Nutzung des Programms lässt sich eine spürbare Steigerung der Beweglichkeit und Alltagsfunktionalität nachweisen10. [Teepe et al., 2023].
  • Individuell und sicher: Die App passt die therapeutischen Übungen täglich an dein Feedback zu den zuletzt durchgeführten Übungen an. Damit stellt sich der Übungs-Algorithmus kontinuierlich auf deine Bedürfnisse ein.
  • Kostenlos auf Rezept: ViViRA kann von allen Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen in Deutschland verschrieben werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten zu 100%.

Du musst auf keine Termine warten. Teste jetzt die ViViRA App 7 Tage kostenlos und starte einfach und angeleitet in dein Training.

Quellenverzeichnis

  1. GBD 2021 Low Back Pain Collaborators. Global, regional, and national burden of low back pain, 1990-2020, its attributable risk factors, and projections to 2050: a systematic analysis of the Global Burden of Disease Study 2021. Lancet Rheumatol. 2023 May 22;5(6):e316-e329. doi: 10.1016/S2665-9913(23)00098-X. PMID: 37273833; PMCID: PMC10234592. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37273833/
  2. von der Lippe, E., Krause, L., Prost, M., Wengler, A., Leddin, J., Müller, A., Zeisler, M.-L., Anton, A., Rommel, A., & BURDEN 2020 study group. (2021). Prävalenz von Rücken- und Nackenschmerzen in Deutschland. Ergebnisse der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring, 6(S3). https://doi.org/10.25646/7854
  3. World Health Organization. (2023). WHO guideline for non-surgical management of chronic primary low back pain in adults in primary and community care settings. https://www.who.int/publications/i/item/9789240081789
  4. Wirth, B., & Schweinhardt, P. (2024). Personalized assessment and management of non-specific low back pain. European journal of pain (London, England), 28(2), 181–198. https://doi.org/10.1002/ejp.2190
  5. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). (2017). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung. https://www.leitlinien.de/themen/kreuzschmerz
  6. Foster, N. E., Anema, J. R., Cherkin, D., Chou, R., Cohen, S. P., Gross, D. P., Ferreira, P. H., Stefanik, J. J., Hodges, P. W., Hartvigsen, J., Maher, C. G., Vanden Berghe, K., Woolf, A. D., & Lancet Low Back Pain Series Working Group. (2018). Prevention and treatment of low back pain: evidence, challenges, and promising directions. The Lancet, 391(10137), 2368–2383. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)30489-6
  7. Ansari, B., Bhati, P., Singla, D., Nazish, N., & Hussain, M. E. (2018). Lumbar Muscle Activation Pattern During Forward and Backward Walking in Participants With and Without Chronic Low Back Pain: An Electromyographic Study. Journal of chiropractic medicine, 17(4), 217–225. https://doi.org/10.1016/j.jcm.2018.03.008
  8. Hayden, J. A., Ellis, J., Ogilvie, R., Malmivaara, A., & van Tulder, M. W. (2021). Exercise therapy for chronic low back pain. Cochrane Database of Systematic Reviews, (9), CD000335. https://doi.org/10.1002/14651858.CD000335.pub3
  9. Weise, H., Zenner, B., Schmiedchen, B., Benning, L., Bulitta, M., Schmitz, D., & Weise, K. (2022). The Effect of an App-Based Home Exercise Program on Self-reported Pain Intensity in Unspecific and Degenerative Back Pain: Pragmatic Open-label Randomized Controlled Trial. Journal of medical Internet research, 24(10), e41899. https://doi.org/10.2196/41899
  10. Teepe, G. W., Kowatsch, T., Hans, F. P., & Benning, L. (2023). Postmarketing Follow-Up of a Digital Home Exercise Program for Back, Hip, and Knee Pain: Retrospective Observational Study With a Time-Series and Matched-Pair Analysis. Journal of medical Internet research, 25, e43775. https://doi.org/10.2196/43775